Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Spieltage 1. Mannschaft
BlauSchwarzWeißer
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Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von BlauSchwarzWeißer »

Seit gestern ist das Unausweichliche eingetroffen, nach nur einem Jahr verabschieden wir uns wieder in die Oberliga. Zwar sind noch drei (sportlich wertlose) Spiele zu absolvieren, trotzdem sollte bzw. muss man jetzt schon mit der Planung für nächste Saison anfangen.
Vor der Saison waren wir aufgrund unseres geringen Etats und unserer regionalliga-unerfahrenen Truppe sicherlich unter den Top 3 der "heißesten Kandidaten" für den Abstieg einzuordnen, somit ist der Abstieg an sich natürlich keine große Sensation. Das es am Ende aber doch ziemlich sang- und klanglos ist und man sogar als erstes Team den Abstieg besiegelt hat, enttäuscht dann doch, gerade nach einem eigentlich soliden Saisonstart.
Die Zahlen, Daten und Fakten sprechen da eine eindeutige Sprache: (Geteilt) schlechtestes Heimteam, (geteilt) schlechtestes Auswärtsteam, mit RW Koblenz, die die exakt selbe Anzahl Tore und Gegentore haben schlechtester Angriff und schlechteste Defensive. Von Ende September bis Heute gab es in 22 Spielen einen einzigen Sieg, und das gegen den ebenfalls ligatechnisch abfallenden Konkurrenten aus Koblenz. Rechnet man die sechs Punkte gegen Koblenz raus, wurden 13 Punkte aus 29 Spielen geholt, nicht mal ein halber Punkt im Schnitt. Das man mit der Bilanz überhaupt noch so lange rechnerisch hoffen durfte schon beinahe ein kleines Wunder.

Am Ende ist es immer einfach auf die Verantwortlichen zu zeigen und zu sagen, das und das hätte besser gemacht werden müssen. Ich gehe mal den Versuch an die Entscheidungen zu den jeweiligen Zeitpunkten zu verstehen:
Durch die Relegation und die praktisch wegfallende Sommerpause musste in wenigen Wochen der Kader für die RL gebastelt werden. Entweder man hält einen Großteil der Aufstiegsmannschaft, hofft die Euphorie mitnehmen zu können und das die Spieler sich entwickeln. Oder man hätte den halben Kader austauschen können durch RL-erfahrene Akteure. Man hat sich für Variante 1 entschieden, in meinen Augen völlig zurecht, die Jungs haben letzte Saison hier eine Menge wieder aufgebaut, man hätte nicht vermitteln können die Truppe auseinander zu reißen und wäre der Mannschaft auch gegenüber nicht fair gewesen.
Die Aufstiegstruppe wollte man, wie kommuniziert wurde, punktuell mit RL-erfahrenen Akteuren verstärken. Es kamen Boesen, Spang, Weiß und Omosanya (Faldey klammere ich mal aus). Boesen und Spang passten als Trierer Jungen voll ins Konzept, Erster mit der Empfehlung von fast 150 RL-Spielen, Zweiterer sogar über 200 RL-Spiele und zudem Kapitän eines direkten Konkurrenten. Weiß war ein wichtiger Rotationsspieler in der Aufstiegsmannschaft von Elversberg, laut Medienberichten hat es knapp nicht für eine Verlängerung in Liga 3 gereicht, auch Elversberger Zuschauer äußerten ihr Bedauern dass er gehen muss. Auch hier im Forum war der nahezu einhellige Tenor, dass wir da drei super Neuzugänge geholt haben, die die Mannschaft sofort weiterbringen werden, die Vita (und bei zweien der Fakt dass sie Trierer Jungen sind) sahen stark nach sicheren Nummern aus.
Einzig Omosanya war ein bisschen die Wundertüte, vom Profil der Stürmer, der uns noch fehlte: Gardemaß, schnell, technisch beschlagen, zudem Luxemburger Nationalspieler, was mittlerweile auch ein Statement ist, die luxemburgische Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das er Ablöse gekostet hat schwebte natürlich ein bisschen wie ein Damoklesschwert über ihm.

Das Ende vom Lied: Boesen erst mit einer gewaltigen Portion Seuche am Fuß und traf das leere Tor nicht, dann lange verletzt, als er wieder fit war warf ihn Corona zurück, so richtig in Fahrt kam er nie. Spangi wahrscheinlich mit der schlechtesten Saison seiner Karriere, stand viel zu häufig neben sich, zudem mittlerweile krasse Geschwindigskeitsdefizite, er schien (sicherlich auch aufgrund der sportlichen Situation) mehr mit sich selbst beschäftigt, und obwohl er Kapitän war keiner, der voran geht.
Weiß nach eigentlich solidem Start mit Patzern, die in beängstigender Regelmäßigkeit zu leichten Gegentoren führten. Und mit jedem Fehler ist er tiefer in ein Loch gefallen, aus dem er einfach nicht mehr raus kam. Die Trennung im Winter folgerichtig.
Bei Omosanya scheiden sich bis heute die Geister. Null Tore, dafür Ablöse gekostet, liest sich natürlich nicht schön. Andererseits hatten wir wohl noch nie einen Spieler, der mehr Pech im Abschluss hatte als er. Null Tore, fünf Alutreffern, dabei drei gegen Kassel, das muss man erstmal schaffen. Zudem kam in der Winterpause raus, dass er praktisch die gesamte Hinrunde nicht richtig fit war und eigentlich hätte pausieren müssen, er sich aber voll in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Das rechne ich ihm hoch an, auch wenn es sich leider nicht in Scorern niedergeschlagen hat. Das hätte von Vereinsseite früher kommuniziert werden müssen und nicht erst, als er in den sozialen Medien schon längst am Pranger gestanden hat. Er kann sicherlich viel mehr, wird es aber wahrscheinlich nicht mehr hier zeigen.
Mein Fazit: In der sommerlichen Transferperiode lasen sich alle Neuzugänge schlüssig und passten auch positionstechnisch ins Team. Das alle(!) Neuzugänge mehr oder weniger floppten, nicht zündeten, nicht einschlugen wie erwartet (sucht euch das passende aus), das konnte man in meinen Augen in der Form nicht erwarten. Einen hat man immer mal dabei, der aus verschiedenen Gründen sein Potenzial nicht abrufen kann. Aber alle gemeinsam, wobei zwei ihr Herzblut für den Verein geben und einer ein wichtiger Rotationsspieler bei einem Aufsteiger war, das war so nicht abzusehen. Von daher tue ich mich schwer hier den Verantwortlichen alleine den schwarzen Peter zuzuschieben. Es wurde nach Ende der Transferperiode und auf der JHV dass man finanziell alles raus gehauen hat was ging, mehr war im Sommer nicht drin. Von daher sind die Schreie nach "man hätte im Sommer noch mehr Spieler holen müssen" auch deplatziert. Was man zusätzlich nicht vergessen darf: Auch wenn wir große Teile der OL-Mannschaft gehalten haben, ist die Mannschaft natürlich teurer geworden. Ein König als Topscorer hat bei seiner Verlängerung sicherlich deutlich höhere Bezüge erhalten , auch alle anderen Leistungsträger hatten sicherlich entsprechende Gehaltsanpassungen im Vertrag als Klausel drin. Es ist sicherlich nicht so, dass die Mannschaft das gleiche gekostet hat wie in der Oberliga.

Thema Wintertransfers bzw. Entlassung von Cinar:
Das wir uns in der Winterpause verstärken mussten, war klar. Bei der JHV war von drei oder vier punktuellen Neuzugängen die Rede. Am Ende wurden es zehn Neue, wenn man die Jugendspieler Kallweit und Herber nicht mitzählt immerhin noch acht. Einigermaßen erstaunt war ich von der ersten Folge SVE Inside mit Stefan Fleck, wo dieser frei sagte, dass die Fülle an Neuzugängen in erster Linie für das Pokalspiel in Koblenz war, um da eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten zu können, die Chance auf den Pokal war dieses Jahr auch so groß wie lange nicht mehr. In meinen Augen ging man da ein ziemliches Risiko ein, die Wintertransfers mehr oder weniger auf ein Spiel auszurichten. Das Ende ist bekannt, das Spiel wurde verloren, und somit war auch der riesige Kader in dieser Form sinnlos. Masse statt Klasse wurde geholt, einzig Cvetkovic wusste wirklich zu überzeugen, auch Herber hat sich in die Mannschaft gespielt. Spieler wie Heeger, Osawe, Lo Scrudato maximal "nice to have", aber keine die die Kohlen aus dem Feuer holen in dieser Liga. Zehir und Bouziane ein wenig Flops mit Ansage, solche Spieler, die vor hundert Jahren mal höherklassig gespielt haben und jetzt weg vom Fenster sind funktionieren in Trier (warum auch immer) einfach nicht, Tayfun Pektürk und Konsorten lassen grüßen. Wie sich das auf die Teamchemie auswirkte kann ich nicht seriös beurteilen, förderlich war es sicherlich nicht. Genau wie die Ausbootung von Kaluanga, wo der Verein ein äußerst schwaches Bild abgab und sich nebenbei selbst eine riesige Baustelle auftat. Weiß weg, Kaluanga weg, keiner der Neuen gelernter RV, schon hatte man in einem 33-Mann Kader keinen gelernten RV mehr. Robin hat das zwar damals in Aachen gespielt, das ist aber schon ein paar Jahre her, und wie wir diese Saison gelernt haben entwickelt sich die Regionalliga in Windeseile weiter. In einem Interview ließ Robin durchklingen dass er lieber in der Zentrale spielen würde, aber er natürlich dort spielt wo ihn der Trainer aufstellt. Das ehrt ihn natürlich, vielleicht wäre es aber besser gewesen wenn er klar gesagt hätte dass er sich nicht als RV sieht.

Nach der Pleite im Pokal und einem 2:6 gegen Steinbach musste Aufstiegstrainer Cinar gehen. Die Entscheidung contra Cinar sportlich sicherlich nachzuvollziehen, die Idee eines neuen Impuls nicht falsch. Der Zeitpunkt war aber der ungünstigste, den man finden konnte. Nach einer langen Wintervorbereitung inklusive Trainingslager in der Türkei, zehn Neuzugängen, gerade mal zwei Spiele zu warten und nach einer Niederlage gegen einen Gegner, wo selbst die kühnsten Optimisten keine Punkte erwartet haben. Entweder man hätte Cinar noch vor der Winterpause entlassen müssen, damit ein neuer Trainer die Truppe nach seinen Vorstellungen formen und entwickeln kann, inklusive Neuzugänge, oder man vertraut Cinar und zieht es mit ihm durch. Aber so wirkte es wie ein Schnellschuss, man hat was gemacht damit man was gemacht hat und sagen kann, man hätte alles versucht. Die Mannschaft schien, was man so mitbekam, weiterhin hinter Cinar zu stehen und mit ihm weiter machen zu wollen.
Als neuer Trainer kam dann Andreas Zimmermann, mit der klaren Mission Klassenerhalt. Unter den Voraussetzungen natürlich eine Art Himmelfahrtskommando, zu dem Zeitpunkt aber noch im Rahmen des Möglichen. Auch wenn die Auftritte, zumindest in Heimspielen, einen Tick besser wurden, eine wirkliche Wende hat er nicht herbeiführen können. Ein Sieg aus zehn Spielen, sechs von dreißig möglichen Punkten. Gute Heimauftritte gegen Fulda und Frankfurt, desaströse Auswärtsspiele in Worms und Freiberg. Natürlich ist es unfair ihm jetzt die alleinige Schuld zuzuschieben, er hat die Kaderstruktur nicht zu verantworten. Aber Fußball ist nun mal ein Ergebnissport (5€ ins Phrasenschwein). Er hat Vertrag bis 2024, auch wenn es meines Wissen nie glasklar kommuniziert wurde gehe ich von aus dass der Vertrag für beide Ligen gültig ist. In der Regionalliga kennt er sich aus, in der Oberliga hingegen nicht, im Südwesten schon zweimal nicht. Das die Oberliga ein gänzlich anderes Pflaster ist, mit gänzlich anderen Anforderungen, das haben wir fünf Jahre lang gesehen. Aus ähnlichen Gründen hat der Trainer von RW Koblenz den Weg frei gemacht, da er für die Oberliga nicht über das entsprechende Netzwerk verfüge. Es wird spannend wie hier die Entscheidung fällt (bzw. ob wir uns überhaupt eine Entlassung von Zimmermann leisten könnten), ob man mit ihm oder ohne ihn weiter macht sollte aber alsbald klar kommuniziert werden. Hier im Forum und auch in den sozialen Netzwerken scheiden sich die Geister über ihn und seine Art, ich persönlich bin auch kein allzu großer Freund von ihm, halte ihn aber für einen Fachmann mit dem man durchaus Erfolg haben könnte.

Zum Abschluss:
Die Fakten sprechen eine klare Sprache, wir steigen völlig verdient und auch ein wenig sang- und klanglos ab. "Gefühlt" waren die Leistungen besser als es das Punktekonto aussagt, davon kann man sich aber leider nichts kaufen. Am Ende bleibt das Gefühl von "was wäre, wenn". Was wäre, wenn wir zu Saisonbeginn die Spiele durch individuelle Fehler gegen Ulm und Mainz nicht verloren hätten und da was mitgenommen hätten. Was wäre, wenn wir gegen Kassel nicht 4x Alu getroffen hätte und in der Nachspielzeit per Eigentor verlieren (übrigens der einzige(!!) Auswärtssieg von Kassel diese Saison, traurig aber wahr). Was wäre wenn Freiberg nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich schafft. Und, mein persönlicher Knackpunkt der Mentalität der Mannschaft: Was wäre wenn Fulda nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich geschafft hätte. Die Gesichter nach dem Spiel sagten alles, das hatte schon was von Aufgabe. Die Demütigung eine Woche später in Worms war die Bestätigung, hätten wir gegen Fulda gewonnen wäre das Spiel anders gelaufen, da würde ich meine Dauerkarte verwetten. Aber die Realität macht eben nie Platz für Fantasie, es ist wie es ist, der Abstieg besiegelt, und das zurecht.
Aber: Aufgeben gilt nicht. Wir kommen wieder! Die Mannschaft bleibt zu großen Teilen zusammen, die Trierer Jungen haben weiterhin die volle Unterstützung der Fans. Und haben jetzt was gut zu machen, das muss nächste Saison von der erste Sekunde an zu spüren sein, das man mit dem Messer zwischen den Zähnen spielt. Dann ist mir nächste Saison nicht bange, obwohl es mit Sicherheit eintracht-like holprig, bekloppt und teilweise wahnsinnig zugehen wird. Und wir sind alle Mann / Frau / Kind dabei!

Mir sinn daobei, ganz egal wat passiert!
Zuletzt geändert von BlauSchwarzWeißer am 7. Mai 2023, 14:20, insgesamt 1-mal geändert.
tossi70
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von tossi70 »

Super zusammengefasst, BlauSchwarzWeißer! Ganz stark!
Ich stimme 1905% zu!
SunnyBastard
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von SunnyBastard »

Wie immer sachliche und fundierte Beschreibung, volle Zustimmung. Ich freue mich tatsächlich auf die nächste Saison. Dann gibt es wieder mehr Erfolgserlebnisse und mit einigen Verstärkungen und gesammelter Erfahrung sollten wir oben mitspielen.

Eine Frage: Inwiefern sollte ein Trainer wie Zimmermann, der für die Regionalliga geeignet ist, nicht in die niedrigere Oberliga passen? Was für ein Netzwerk braucht er da?
Einem Körper, der gesund ist, dem genügt ein leerer Geist.
RSTRST
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von RSTRST »

Toll. Unterschreibe ich von vorne bis hinten.
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Eifler
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von Eifler »

Wow, super Zusammenfassung der Saison.
Detailliert, auf den Punkt, realistisch und objektiv.

Mein Jung und ich sind letztem Sommer zur Eintracht gekommen, pünktlich zum Saisonendspurt.
Ich habe meine alte Liebe zur Eintracht wiedergefunden und seine geweckt.

Wir kommen wieder, RL, OL, scheißegal.
Mit den ganzen Trierer Jungs ist wieder eine Identifikation da die jahrelang nicht da war. Das merkt man überall wo man über den SVE ins Gespräch kommt.
Ich halte 1.300 Zuschauer im Schnitt für realistisch wenn man von Anfang an oben mitspielt.
Modigliani
Abteilung Attacke
Beiträge: 533
Registriert: 2. Sep 2018, 08:17

Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von Modigliani »

BlauSchwarzWeißer hat geschrieben:
7. Mai 2023, 13:50
Seit gestern ist das Unausweichliche eingetroffen, nach nur einem Jahr verabschieden wir uns wieder in die Oberliga. Zwar sind noch drei (sportlich wertlose) Spiele zu absolvieren, trotzdem sollte bzw. muss man jetzt schon mit der Planung für nächste Saison anfangen.
Vor der Saison waren wir aufgrund unseres geringen Etats und unserer regionalliga-unerfahrenen Truppe sicherlich unter den Top 3 der "heißesten Kandidaten" für den Abstieg einzuordnen, somit ist der Abstieg an sich natürlich keine große Sensation. Das es am Ende aber doch ziemlich sang- und klanglos ist und man sogar als erstes Team den Abstieg besiegelt hat, enttäuscht dann doch, gerade nach einem eigentlich soliden Saisonstart.
Die Zahlen, Daten und Fakten sprechen da eine eindeutige Sprache: (Geteilt) schlechtestes Heimteam, (geteilt) schlechtestes Auswärtsteam, mit RW Koblenz, die die exakt selbe Anzahl Tore und Gegentore haben schlechtester Angriff und schlechteste Defensive. Von Ende September bis Heute gab es in 22 Spielen einen einzigen Sieg, und das gegen den ebenfalls ligatechnisch abfallenden Konkurrenten aus Koblenz. Rechnet man die sechs Punkte gegen Koblenz raus, wurden 13 Punkte aus 29 Spielen geholt, nicht mal ein halber Punkt im Schnitt. Das man mit der Bilanz überhaupt noch so lange rechnerisch hoffen durfte schon beinahe ein kleines Wunder.

Am Ende ist es immer einfach auf die Verantwortlichen zu zeigen und zu sagen, das und das hätte besser gemacht werden müssen. Ich gehe mal den Versuch an die Entscheidungen zu den jeweiligen Zeitpunkten zu verstehen:
Durch die Relegation und die praktisch wegfallende Sommerpause musste in wenigen Wochen der Kader für die RL gebastelt werden. Entweder man hält einen Großteil der Aufstiegsmannschaft, hofft die Euphorie mitnehmen zu können und das die Spieler sich entwickeln. Oder man hätte den halben Kader austauschen können durch RL-erfahrene Akteure. Man hat sich für Variante 1 entschieden, in meinen Augen völlig zurecht, die Jungs haben letzte Saison hier eine Menge wieder aufgebaut, man hätte nicht vermitteln können die Truppe auseinander zu reißen und wäre der Mannschaft auch gegenüber nicht fair gewesen.
Die Aufstiegstruppe wollte man, wie kommuniziert wurde, punktuell mit RL-erfahrenen Akteuren verstärken. Es kamen Boesen, Spang, Weiß und Omosanya (Faldey klammere ich mal aus). Boesen und Spang passten als Trierer Jungen voll ins Konzept, Erster mit der Empfehlung von fast 150 RL-Spielen, Zweiterer sogar über 200 RL-Spiele und zudem Kapitän eines direkten Konkurrenten. Weiß war ein wichtiger Rotationsspieler in der Aufstiegsmannschaft von Elversberg, laut Medienberichten hat es knapp nicht für eine Verlängerung in Liga 3 gereicht, auch Elversberger Zuschauer äußerten ihr Bedauern dass er gehen muss. Auch hier im Forum war der nahezu einhellige Tenor, dass wir da drei super Neuzugänge geholt haben, die die Mannschaft sofort weiterbringen werden, die Vita (und bei zweien der Fakt dass sie Trierer Jungen sind) sahen stark nach sicheren Nummern aus.
Einzig Omosanya war ein bisschen die Wundertüte, vom Profil der Stürmer, der uns noch fehlte: Gardemaß, schnell, technisch beschlagen, zudem Luxemburger Nationalspieler, was mittlerweile auch ein Statement ist, die luxemburgische Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das er Ablöse gekostet hat schwebte natürlich ein bisschen wie ein Damoklesschwert über ihm.

Das Ende vom Lied: Boesen erst mit einer gewaltigen Portion Seuche am Fuß und traf das leere Tor nicht, dann lange verletzt, als er wieder fit war warf ihn Corona zurück, so richtig in Fahrt kam er nie. Spangi wahrscheinlich mit der schlechtesten Saison seiner Karriere, stand viel zu häufig neben sich, zudem mittlerweile krasse Geschwindigskeitsdefizite, er schien (sicherlich auch aufgrund der sportlichen Situation) mehr mit sich selbst beschäftigt, und obwohl er Kapitän war keiner, der voran geht.
Weiß nach eigentlich solidem Start mit Patzern, die in beängstigender Regelmäßigkeit zu leichten Gegentoren führten. Und mit jedem Fehler ist er tiefer in ein Loch gefallen, aus dem er einfach nicht mehr raus kam. Die Trennung im Winter folgerichtig.
Bei Omosanya scheiden sich bis heute die Geister. Null Tore, dafür Ablöse gekostet, liest sich natürlich nicht schön. Andererseits hatten wir wohl noch nie einen Spieler, der mehr Pech im Abschluss hatte als er. Null Tore, fünf Alutreffern, dabei drei gegen Kassel, das muss man erstmal schaffen. Zudem kam in der Winterpause raus, dass er praktisch die gesamte Hinrunde nicht richtig fit war und eigentlich hätte pausieren müssen, er sich aber voll in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Das rechne ich ihm hoch an, auch wenn es sich leider nicht in Scorern niedergeschlagen hat. Das hätte von Vereinsseite früher kommuniziert werden müssen und nicht erst, als er in den sozialen Medien schon längst am Pranger gestanden hat. Er kann sicherlich viel mehr, wird es aber wahrscheinlich nicht mehr hier zeigen.
Mein Fazit: In der sommerlichen Transferperiode lasen sich alle Neuzugänge schlüssig und passten auch positionstechnisch ins Team. Das alle(!) Neuzugänge mehr oder weniger floppten, nicht zündeten, nicht einschlugen wie erwartet (sucht euch das passende aus), das konnte man in meinen Augen in der Form nicht erwarten. Einen hat man immer mal dabei, der aus verschiedenen Gründen sein Potenzial nicht abrufen kann. Aber alle gemeinsam, wobei zwei ihr Herzblut für den Verein geben und einer ein wichtiger Rotationsspieler bei einem Aufsteiger war, das war so nicht abzusehen. Von daher tue ich mich schwer hier den Verantwortlichen alleine den schwarzen Peter zuzuschieben. Es wurde nach Ende der Transferperiode und auf der JHV dass man finanziell alles raus gehauen hat was ging, mehr war im Sommer nicht drin. Von daher sind die Schreie nach "man hätte im Sommer noch mehr Spieler holen müssen" auch deplatziert. Was man zusätzlich nicht vergessen darf: Auch wenn wir große Teile der OL-Mannschaft gehalten haben, ist die Mannschaft natürlich teurer geworden. Ein König als Topscorer hat bei seiner Verlängerung sicherlich deutlich höhere Bezüge erhalten , auch alle anderen Leistungsträger hatten sicherlich entsprechende Gehaltsanpassungen im Vertrag als Klausel drin. Es ist sicherlich nicht so, dass die Mannschaft das gleiche gekostet hat wie in der Oberliga.

Thema Wintertransfers bzw. Entlassung von Cinar:
Das wir uns in der Winterpause verstärken mussten, war klar. Bei der JHV war von drei oder vier punktuellen Neuzugängen die Rede. Am Ende wurden es zehn Neue, wenn man die Jugendspieler Kallweit und Herber nicht mitzählt immerhin noch acht. Einigermaßen erstaunt war ich von der ersten Folge SVE Inside mit Stefan Fleck, wo dieser frei sagte, dass die Fülle an Neuzugängen in erster Linie für das Pokalspiel in Koblenz war, um da eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten zu können, die Chance auf den Pokal war dieses Jahr auch so groß wie lange nicht mehr. In meinen Augen ging man da ein ziemliches Risiko ein, die Wintertransfers mehr oder weniger auf ein Spiel auszurichten. Das Ende ist bekannt, das Spiel wurde verloren, und somit war auch der riesige Kader in dieser Form sinnlos. Masse statt Klasse wurde geholt, einzig Cvetkovic wusste wirklich zu überzeugen, auch Herber hat sich in die Mannschaft gespielt. Spieler wie Heeger, Osawe, Lo Scrudato maximal "nice to have", aber keine die die Kohlen aus dem Feuer holen in dieser Liga. Zehir und Bouziane ein wenig Flops mit Ansage, solche Spieler, die vor hundert Jahren mal höherklassig gespielt haben und jetzt weg vom Fenster sind funktionieren in Trier (warum auch immer) einfach nicht, Tayfun Pektürk und Konsorten lassen grüßen. Wie sich das auf die Teamchemie auswirkte kann ich nicht seriös beurteilen, förderlich war es sicherlich nicht. Genau wie die Ausbootung von Kaluanga, wo der Verein ein äußerst schwaches Bild abgab und sich nebenbei selbst eine riesige Baustelle auftat. Weiß weg, Kaluanga weg, keiner der Neuen gelernter RV, schon hatte man in einem 33-Mann Kader keinen gelernten RV mehr. Robin hat das zwar damals in Aachen gespielt, das ist aber schon ein paar Jahre her, und wie wir diese Saison gelernt haben entwickelt sich die Regionalliga in Windeseile weiter. In einem Interview ließ Robin durchklingen dass er lieber in der Zentrale spielen würde, aber er natürlich dort spielt wo ihn der Trainer aufstellt. Das ehrt ihn natürlich, vielleicht wäre es aber besser gewesen wenn er klar gesagt hätte dass er sich nicht als RV sieht.

Nach der Pleite im Pokal und einem 2:6 gegen Steinbach musste Aufstiegstrainer Cinar gehen. Die Entscheidung contra Cinar sportlich sicherlich nachzuvollziehen, die Idee eines neuen Impuls nicht falsch. Der Zeitpunkt war aber der ungünstigste, den man finden konnte. Nach einer langen Wintervorbereitung inklusive Trainingslager in der Türkei, zehn Neuzugängen, gerade mal zwei Spiele zu warten und nach einer Niederlage gegen einen Gegner, wo selbst die kühnsten Optimisten keine Punkte erwartet haben. Entweder man hätte Cinar noch vor der Winterpause entlassen müssen, damit ein neuer Trainer die Truppe nach seinen Vorstellungen formen und entwickeln kann, inklusive Neuzugänge, oder man vertraut Cinar und zieht es mit ihm durch. Aber so wirkte es wie ein Schnellschuss, man hat was gemacht damit man was gemacht hat und sagen kann, man hätte alles versucht. Die Mannschaft schien, was man so mitbekam, weiterhin hinter Cinar zu stehen und mit ihm weiter machen zu wollen.
Als neuer Trainer kam dann Andreas Zimmermann, mit der klaren Mission Klassenerhalt. Unter den Voraussetzungen natürlich eine Art Himmelfahrtskommando, zu dem Zeitpunkt aber noch im Rahmen des Möglichen. Auch wenn die Auftritte, zumindest in Heimspielen, einen Tick besser wurden, eine wirkliche Wende hat er nicht herbeiführen können. Ein Sieg aus zehn Spielen, sechs von dreißig möglichen Punkten. Gute Heimauftritte gegen Fulda und Frankfurt, desaströse Auswärtsspiele in Worms und Freiberg. Natürlich ist es unfair ihm jetzt die alleinige Schuld zuzuschieben, er hat die Kaderstruktur nicht zu verantworten. Aber Fußball ist nun mal ein Ergebnissport (5€ ins Phrasenschwein). Er hat Vertrag bis 2024, auch wenn es meines Wissen nie glasklar kommuniziert wurde gehe ich von aus dass der Vertrag für beide Ligen gültig ist. In der Regionalliga kennt er sich aus, in der Oberliga hingegen nicht, im Südwesten schon zweimal nicht. Das die Oberliga ein gänzlich anderes Pflaster ist, mit gänzlich anderen Anforderungen, das haben wir fünf Jahre lang gesehen. Aus ähnlichen Gründen hat der Trainer von RW Koblenz den Weg frei gemacht, da er für die Oberliga nicht über das entsprechende Netzwerk verfüge. Es wird spannend wie hier die Entscheidung fällt (bzw. ob wir uns überhaupt eine Entlassung von Zimmermann leisten könnten), ob man mit ihm oder ohne ihn weiter macht sollte aber alsbald klar kommuniziert werden. Hier im Forum und auch in den sozialen Netzwerken scheiden sich die Geister über ihn und seine Art, ich persönlich bin auch kein allzu großer Freund von ihm, halte ihn aber für einen Fachmann mit dem man durchaus Erfolg haben könnte.

Zum Abschluss:
Die Fakten sprechen eine klare Sprache, wir steigen völlig verdient und auch ein wenig sang- und klanglos ab. "Gefühlt" waren die Leistungen besser als es das Punktekonto aussagt, davon kann man sich aber leider nichts kaufen. Am Ende bleibt das Gefühl von "was wäre, wenn". Was wäre, wenn wir zu Saisonbeginn die Spiele durch individuelle Fehler gegen Ulm und Mainz nicht verloren hätten und da was mitgenommen hätten. Was wäre, wenn wir gegen Kassel nicht 4x Alu getroffen hätte und in der Nachspielzeit per Eigentor verlieren (übrigens der einzige(!!) Auswärtssieg von Kassel diese Saison, traurig aber wahr). Was wäre wenn Freiberg nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich schafft. Und, mein persönlicher Knackpunkt der Mentalität der Mannschaft: Was wäre wenn Fulda nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich geschafft hätte. Die Gesichter nach dem Spiel sagten alles, das hatte schon was von Aufgabe. Die Demütigung eine Woche später in Worms war die Bestätigung, hätten wir gegen Fulda gewonnen wäre das Spiel anders gelaufen, da würde ich meine Dauerkarte verwetten. Aber die Realität macht eben nie Platz für Fantasie, es ist wie es ist, der Abstieg besiegelt, und das zurecht.
Aber: Aufgeben gilt nicht. Wir kommen wieder! Die Mannschaft bleibt zu großen Teilen zusammen, die Trierer Jungen haben weiterhin die volle Unterstützung der Fans. Und haben jetzt was gut zu machen, das muss nächste Saison von der erste Sekunde an zu spüren sein, das man mit dem Messer zwischen den Zähnen spielt. Dann ist mir nächste Saison nicht bange, obwohl es mit Sicherheit eintracht-like holprig, bekloppt und teilweise wahnsinnig zugehen wird. Und wir sind alle Mann / Frau / Kind dabei!

Mir sinn daobei, ganz egal wat passiert!
Da fasst du grade mal eben die ganze Saison in Höchstqualität auf 7 Minuten zusammen. Mehr kann dazu nicht gesagt werden. Danke für den Post!
Eintracht bedeutet einen Zustand der Einmütigkeit und Harmonie
Piwi
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von Piwi »

Super Post mal wieder @BSW

Vor allem nochmal die Retrospektive auf die Sommertransfers. In der Tat sehr schade, dass alle total gefloppt sind. Das hätte man so wirklich nicht erwarten können. Es hätte tatsächlich eine gute Saison werden können mit einem fitten Sturmduo Omosanya/Boesen, das in den ersten Spielen auch ein paar Buden macht und sich Selbstvertrauen holt, ein Weiß, der auf rechts stabil steht und Sicherheit gibt und ein Spang, der das defensive Mittelfeld mit Erfahrung und gutem Stellungsspiel beherrscht. Hätte tatsächlich klappen können.
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Norman
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Beiträge: 47
Registriert: 9. Jul 2022, 18:55

Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von Norman »

BlauSchwarzWeißer hat geschrieben:
7. Mai 2023, 13:50
Seit gestern ist das Unausweichliche eingetroffen, nach nur einem Jahr verabschieden wir uns wieder in die Oberliga. Zwar sind noch drei (sportlich wertlose) Spiele zu absolvieren, trotzdem sollte bzw. muss man jetzt schon mit der Planung für nächste Saison anfangen.
Vor der Saison waren wir aufgrund unseres geringen Etats und unserer regionalliga-unerfahrenen Truppe sicherlich unter den Top 3 der "heißesten Kandidaten" für den Abstieg einzuordnen, somit ist der Abstieg an sich natürlich keine große Sensation. Das es am Ende aber doch ziemlich sang- und klanglos ist und man sogar als erstes Team den Abstieg besiegelt hat, enttäuscht dann doch, gerade nach einem eigentlich soliden Saisonstart.
Die Zahlen, Daten und Fakten sprechen da eine eindeutige Sprache: (Geteilt) schlechtestes Heimteam, (geteilt) schlechtestes Auswärtsteam, mit RW Koblenz, die die exakt selbe Anzahl Tore und Gegentore haben schlechtester Angriff und schlechteste Defensive. Von Ende September bis Heute gab es in 22 Spielen einen einzigen Sieg, und das gegen den ebenfalls ligatechnisch abfallenden Konkurrenten aus Koblenz. Rechnet man die sechs Punkte gegen Koblenz raus, wurden 13 Punkte aus 29 Spielen geholt, nicht mal ein halber Punkt im Schnitt. Das man mit der Bilanz überhaupt noch so lange rechnerisch hoffen durfte schon beinahe ein kleines Wunder.

Am Ende ist es immer einfach auf die Verantwortlichen zu zeigen und zu sagen, das und das hätte besser gemacht werden müssen. Ich gehe mal den Versuch an die Entscheidungen zu den jeweiligen Zeitpunkten zu verstehen:
Durch die Relegation und die praktisch wegfallende Sommerpause musste in wenigen Wochen der Kader für die RL gebastelt werden. Entweder man hält einen Großteil der Aufstiegsmannschaft, hofft die Euphorie mitnehmen zu können und das die Spieler sich entwickeln. Oder man hätte den halben Kader austauschen können durch RL-erfahrene Akteure. Man hat sich für Variante 1 entschieden, in meinen Augen völlig zurecht, die Jungs haben letzte Saison hier eine Menge wieder aufgebaut, man hätte nicht vermitteln können die Truppe auseinander zu reißen und wäre der Mannschaft auch gegenüber nicht fair gewesen.
Die Aufstiegstruppe wollte man, wie kommuniziert wurde, punktuell mit RL-erfahrenen Akteuren verstärken. Es kamen Boesen, Spang, Weiß und Omosanya (Faldey klammere ich mal aus). Boesen und Spang passten als Trierer Jungen voll ins Konzept, Erster mit der Empfehlung von fast 150 RL-Spielen, Zweiterer sogar über 200 RL-Spiele und zudem Kapitän eines direkten Konkurrenten. Weiß war ein wichtiger Rotationsspieler in der Aufstiegsmannschaft von Elversberg, laut Medienberichten hat es knapp nicht für eine Verlängerung in Liga 3 gereicht, auch Elversberger Zuschauer äußerten ihr Bedauern dass er gehen muss. Auch hier im Forum war der nahezu einhellige Tenor, dass wir da drei super Neuzugänge geholt haben, die die Mannschaft sofort weiterbringen werden, die Vita (und bei zweien der Fakt dass sie Trierer Jungen sind) sahen stark nach sicheren Nummern aus.
Einzig Omosanya war ein bisschen die Wundertüte, vom Profil der Stürmer, der uns noch fehlte: Gardemaß, schnell, technisch beschlagen, zudem Luxemburger Nationalspieler, was mittlerweile auch ein Statement ist, die luxemburgische Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das er Ablöse gekostet hat schwebte natürlich ein bisschen wie ein Damoklesschwert über ihm.

Das Ende vom Lied: Boesen erst mit einer gewaltigen Portion Seuche am Fuß und traf das leere Tor nicht, dann lange verletzt, als er wieder fit war warf ihn Corona zurück, so richtig in Fahrt kam er nie. Spangi wahrscheinlich mit der schlechtesten Saison seiner Karriere, stand viel zu häufig neben sich, zudem mittlerweile krasse Geschwindigskeitsdefizite, er schien (sicherlich auch aufgrund der sportlichen Situation) mehr mit sich selbst beschäftigt, und obwohl er Kapitän war keiner, der voran geht.
Weiß nach eigentlich solidem Start mit Patzern, die in beängstigender Regelmäßigkeit zu leichten Gegentoren führten. Und mit jedem Fehler ist er tiefer in ein Loch gefallen, aus dem er einfach nicht mehr raus kam. Die Trennung im Winter folgerichtig.
Bei Omosanya scheiden sich bis heute die Geister. Null Tore, dafür Ablöse gekostet, liest sich natürlich nicht schön. Andererseits hatten wir wohl noch nie einen Spieler, der mehr Pech im Abschluss hatte als er. Null Tore, fünf Alutreffern, dabei drei gegen Kassel, das muss man erstmal schaffen. Zudem kam in der Winterpause raus, dass er praktisch die gesamte Hinrunde nicht richtig fit war und eigentlich hätte pausieren müssen, er sich aber voll in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Das rechne ich ihm hoch an, auch wenn es sich leider nicht in Scorern niedergeschlagen hat. Das hätte von Vereinsseite früher kommuniziert werden müssen und nicht erst, als er in den sozialen Medien schon längst am Pranger gestanden hat. Er kann sicherlich viel mehr, wird es aber wahrscheinlich nicht mehr hier zeigen.
Mein Fazit: In der sommerlichen Transferperiode lasen sich alle Neuzugänge schlüssig und passten auch positionstechnisch ins Team. Das alle(!) Neuzugänge mehr oder weniger floppten, nicht zündeten, nicht einschlugen wie erwartet (sucht euch das passende aus), das konnte man in meinen Augen in der Form nicht erwarten. Einen hat man immer mal dabei, der aus verschiedenen Gründen sein Potenzial nicht abrufen kann. Aber alle gemeinsam, wobei zwei ihr Herzblut für den Verein geben und einer ein wichtiger Rotationsspieler bei einem Aufsteiger war, das war so nicht abzusehen. Von daher tue ich mich schwer hier den Verantwortlichen alleine den schwarzen Peter zuzuschieben. Es wurde nach Ende der Transferperiode und auf der JHV dass man finanziell alles raus gehauen hat was ging, mehr war im Sommer nicht drin. Von daher sind die Schreie nach "man hätte im Sommer noch mehr Spieler holen müssen" auch deplatziert. Was man zusätzlich nicht vergessen darf: Auch wenn wir große Teile der OL-Mannschaft gehalten haben, ist die Mannschaft natürlich teurer geworden. Ein König als Topscorer hat bei seiner Verlängerung sicherlich deutlich höhere Bezüge erhalten , auch alle anderen Leistungsträger hatten sicherlich entsprechende Gehaltsanpassungen im Vertrag als Klausel drin. Es ist sicherlich nicht so, dass die Mannschaft das gleiche gekostet hat wie in der Oberliga.

Thema Wintertransfers bzw. Entlassung von Cinar:
Das wir uns in der Winterpause verstärken mussten, war klar. Bei der JHV war von drei oder vier punktuellen Neuzugängen die Rede. Am Ende wurden es zehn Neue, wenn man die Jugendspieler Kallweit und Herber nicht mitzählt immerhin noch acht. Einigermaßen erstaunt war ich von der ersten Folge SVE Inside mit Stefan Fleck, wo dieser frei sagte, dass die Fülle an Neuzugängen in erster Linie für das Pokalspiel in Koblenz war, um da eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten zu können, die Chance auf den Pokal war dieses Jahr auch so groß wie lange nicht mehr. In meinen Augen ging man da ein ziemliches Risiko ein, die Wintertransfers mehr oder weniger auf ein Spiel auszurichten. Das Ende ist bekannt, das Spiel wurde verloren, und somit war auch der riesige Kader in dieser Form sinnlos. Masse statt Klasse wurde geholt, einzig Cvetkovic wusste wirklich zu überzeugen, auch Herber hat sich in die Mannschaft gespielt. Spieler wie Heeger, Osawe, Lo Scrudato maximal "nice to have", aber keine die die Kohlen aus dem Feuer holen in dieser Liga. Zehir und Bouziane ein wenig Flops mit Ansage, solche Spieler, die vor hundert Jahren mal höherklassig gespielt haben und jetzt weg vom Fenster sind funktionieren in Trier (warum auch immer) einfach nicht, Tayfun Pektürk und Konsorten lassen grüßen. Wie sich das auf die Teamchemie auswirkte kann ich nicht seriös beurteilen, förderlich war es sicherlich nicht. Genau wie die Ausbootung von Kaluanga, wo der Verein ein äußerst schwaches Bild abgab und sich nebenbei selbst eine riesige Baustelle auftat. Weiß weg, Kaluanga weg, keiner der Neuen gelernter RV, schon hatte man in einem 33-Mann Kader keinen gelernten RV mehr. Robin hat das zwar damals in Aachen gespielt, das ist aber schon ein paar Jahre her, und wie wir diese Saison gelernt haben entwickelt sich die Regionalliga in Windeseile weiter. In einem Interview ließ Robin durchklingen dass er lieber in der Zentrale spielen würde, aber er natürlich dort spielt wo ihn der Trainer aufstellt. Das ehrt ihn natürlich, vielleicht wäre es aber besser gewesen wenn er klar gesagt hätte dass er sich nicht als RV sieht.

Nach der Pleite im Pokal und einem 2:6 gegen Steinbach musste Aufstiegstrainer Cinar gehen. Die Entscheidung contra Cinar sportlich sicherlich nachzuvollziehen, die Idee eines neuen Impuls nicht falsch. Der Zeitpunkt war aber der ungünstigste, den man finden konnte. Nach einer langen Wintervorbereitung inklusive Trainingslager in der Türkei, zehn Neuzugängen, gerade mal zwei Spiele zu warten und nach einer Niederlage gegen einen Gegner, wo selbst die kühnsten Optimisten keine Punkte erwartet haben. Entweder man hätte Cinar noch vor der Winterpause entlassen müssen, damit ein neuer Trainer die Truppe nach seinen Vorstellungen formen und entwickeln kann, inklusive Neuzugänge, oder man vertraut Cinar und zieht es mit ihm durch. Aber so wirkte es wie ein Schnellschuss, man hat was gemacht damit man was gemacht hat und sagen kann, man hätte alles versucht. Die Mannschaft schien, was man so mitbekam, weiterhin hinter Cinar zu stehen und mit ihm weiter machen zu wollen.
Als neuer Trainer kam dann Andreas Zimmermann, mit der klaren Mission Klassenerhalt. Unter den Voraussetzungen natürlich eine Art Himmelfahrtskommando, zu dem Zeitpunkt aber noch im Rahmen des Möglichen. Auch wenn die Auftritte, zumindest in Heimspielen, einen Tick besser wurden, eine wirkliche Wende hat er nicht herbeiführen können. Ein Sieg aus zehn Spielen, sechs von dreißig möglichen Punkten. Gute Heimauftritte gegen Fulda und Frankfurt, desaströse Auswärtsspiele in Worms und Freiberg. Natürlich ist es unfair ihm jetzt die alleinige Schuld zuzuschieben, er hat die Kaderstruktur nicht zu verantworten. Aber Fußball ist nun mal ein Ergebnissport (5€ ins Phrasenschwein). Er hat Vertrag bis 2024, auch wenn es meines Wissen nie glasklar kommuniziert wurde gehe ich von aus dass der Vertrag für beide Ligen gültig ist. In der Regionalliga kennt er sich aus, in der Oberliga hingegen nicht, im Südwesten schon zweimal nicht. Das die Oberliga ein gänzlich anderes Pflaster ist, mit gänzlich anderen Anforderungen, das haben wir fünf Jahre lang gesehen. Aus ähnlichen Gründen hat der Trainer von RW Koblenz den Weg frei gemacht, da er für die Oberliga nicht über das entsprechende Netzwerk verfüge. Es wird spannend wie hier die Entscheidung fällt (bzw. ob wir uns überhaupt eine Entlassung von Zimmermann leisten könnten), ob man mit ihm oder ohne ihn weiter macht sollte aber alsbald klar kommuniziert werden. Hier im Forum und auch in den sozialen Netzwerken scheiden sich die Geister über ihn und seine Art, ich persönlich bin auch kein allzu großer Freund von ihm, halte ihn aber für einen Fachmann mit dem man durchaus Erfolg haben könnte.

Zum Abschluss:
Die Fakten sprechen eine klare Sprache, wir steigen völlig verdient und auch ein wenig sang- und klanglos ab. "Gefühlt" waren die Leistungen besser als es das Punktekonto aussagt, davon kann man sich aber leider nichts kaufen. Am Ende bleibt das Gefühl von "was wäre, wenn". Was wäre, wenn wir zu Saisonbeginn die Spiele durch individuelle Fehler gegen Ulm und Mainz nicht verloren hätten und da was mitgenommen hätten. Was wäre, wenn wir gegen Kassel nicht 4x Alu getroffen hätte und in der Nachspielzeit per Eigentor verlieren (übrigens der einzige(!!) Auswärtssieg von Kassel diese Saison, traurig aber wahr). Was wäre wenn Freiberg nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich schafft. Und, mein persönlicher Knackpunkt der Mentalität der Mannschaft: Was wäre wenn Fulda nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich geschafft hätte. Die Gesichter nach dem Spiel sagten alles, das hatte schon was von Aufgabe. Die Demütigung eine Woche später in Worms war die Bestätigung, hätten wir gegen Fulda gewonnen wäre das Spiel anders gelaufen, da würde ich meine Dauerkarte verwetten. Aber die Realität macht eben nie Platz für Fantasie, es ist wie es ist, der Abstieg besiegelt, und das zurecht.
Aber: Aufgeben gilt nicht. Wir kommen wieder! Die Mannschaft bleibt zu großen Teilen zusammen, die Trierer Jungen haben weiterhin die volle Unterstützung der Fans. Und haben jetzt was gut zu machen, das muss nächste Saison von der erste Sekunde an zu spüren sein, das man mit dem Messer zwischen den Zähnen spielt. Dann ist mir nächste Saison nicht bange, obwohl es mit Sicherheit eintracht-like holprig, bekloppt und teilweise wahnsinnig zugehen wird. Und wir sind alle Mann / Frau / Kind dabei!

Mir sinn daobei, ganz egal wat passiert!
Vom Umfang und der Qualität sehr beeindruckend! Da steckt eine Menge Arbeit dahinter!
Inhaltlich weit über 95 % Übereinstimmung mit meiner Ansicht, kaum zu glauben :o
SveTommi05
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Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von SveTommi05 »

BlauSchwarzWeißer hat geschrieben:
7. Mai 2023, 13:50
Seit gestern ist das Unausweichliche eingetroffen, nach nur einem Jahr verabschieden wir uns wieder in die Oberliga. Zwar sind noch drei (sportlich wertlose) Spiele zu absolvieren, trotzdem sollte bzw. muss man jetzt schon mit der Planung für nächste Saison anfangen.
Vor der Saison waren wir aufgrund unseres geringen Etats und unserer regionalliga-unerfahrenen Truppe sicherlich unter den Top 3 der "heißesten Kandidaten" für den Abstieg einzuordnen, somit ist der Abstieg an sich natürlich keine große Sensation. Das es am Ende aber doch ziemlich sang- und klanglos ist und man sogar als erstes Team den Abstieg besiegelt hat, enttäuscht dann doch, gerade nach einem eigentlich soliden Saisonstart.
Die Zahlen, Daten und Fakten sprechen da eine eindeutige Sprache: (Geteilt) schlechtestes Heimteam, (geteilt) schlechtestes Auswärtsteam, mit RW Koblenz, die die exakt selbe Anzahl Tore und Gegentore haben schlechtester Angriff und schlechteste Defensive. Von Ende September bis Heute gab es in 22 Spielen einen einzigen Sieg, und das gegen den ebenfalls ligatechnisch abfallenden Konkurrenten aus Koblenz. Rechnet man die sechs Punkte gegen Koblenz raus, wurden 13 Punkte aus 29 Spielen geholt, nicht mal ein halber Punkt im Schnitt. Das man mit der Bilanz überhaupt noch so lange rechnerisch hoffen durfte schon beinahe ein kleines Wunder.

Am Ende ist es immer einfach auf die Verantwortlichen zu zeigen und zu sagen, das und das hätte besser gemacht werden müssen. Ich gehe mal den Versuch an die Entscheidungen zu den jeweiligen Zeitpunkten zu verstehen:
Durch die Relegation und die praktisch wegfallende Sommerpause musste in wenigen Wochen der Kader für die RL gebastelt werden. Entweder man hält einen Großteil der Aufstiegsmannschaft, hofft die Euphorie mitnehmen zu können und das die Spieler sich entwickeln. Oder man hätte den halben Kader austauschen können durch RL-erfahrene Akteure. Man hat sich für Variante 1 entschieden, in meinen Augen völlig zurecht, die Jungs haben letzte Saison hier eine Menge wieder aufgebaut, man hätte nicht vermitteln können die Truppe auseinander zu reißen und wäre der Mannschaft auch gegenüber nicht fair gewesen.
Die Aufstiegstruppe wollte man, wie kommuniziert wurde, punktuell mit RL-erfahrenen Akteuren verstärken. Es kamen Boesen, Spang, Weiß und Omosanya (Faldey klammere ich mal aus). Boesen und Spang passten als Trierer Jungen voll ins Konzept, Erster mit der Empfehlung von fast 150 RL-Spielen, Zweiterer sogar über 200 RL-Spiele und zudem Kapitän eines direkten Konkurrenten. Weiß war ein wichtiger Rotationsspieler in der Aufstiegsmannschaft von Elversberg, laut Medienberichten hat es knapp nicht für eine Verlängerung in Liga 3 gereicht, auch Elversberger Zuschauer äußerten ihr Bedauern dass er gehen muss. Auch hier im Forum war der nahezu einhellige Tenor, dass wir da drei super Neuzugänge geholt haben, die die Mannschaft sofort weiterbringen werden, die Vita (und bei zweien der Fakt dass sie Trierer Jungen sind) sahen stark nach sicheren Nummern aus.
Einzig Omosanya war ein bisschen die Wundertüte, vom Profil der Stürmer, der uns noch fehlte: Gardemaß, schnell, technisch beschlagen, zudem Luxemburger Nationalspieler, was mittlerweile auch ein Statement ist, die luxemburgische Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das er Ablöse gekostet hat schwebte natürlich ein bisschen wie ein Damoklesschwert über ihm.

Das Ende vom Lied: Boesen erst mit einer gewaltigen Portion Seuche am Fuß und traf das leere Tor nicht, dann lange verletzt, als er wieder fit war warf ihn Corona zurück, so richtig in Fahrt kam er nie. Spangi wahrscheinlich mit der schlechtesten Saison seiner Karriere, stand viel zu häufig neben sich, zudem mittlerweile krasse Geschwindigskeitsdefizite, er schien (sicherlich auch aufgrund der sportlichen Situation) mehr mit sich selbst beschäftigt, und obwohl er Kapitän war keiner, der voran geht.
Weiß nach eigentlich solidem Start mit Patzern, die in beängstigender Regelmäßigkeit zu leichten Gegentoren führten. Und mit jedem Fehler ist er tiefer in ein Loch gefallen, aus dem er einfach nicht mehr raus kam. Die Trennung im Winter folgerichtig.
Bei Omosanya scheiden sich bis heute die Geister. Null Tore, dafür Ablöse gekostet, liest sich natürlich nicht schön. Andererseits hatten wir wohl noch nie einen Spieler, der mehr Pech im Abschluss hatte als er. Null Tore, fünf Alutreffern, dabei drei gegen Kassel, das muss man erstmal schaffen. Zudem kam in der Winterpause raus, dass er praktisch die gesamte Hinrunde nicht richtig fit war und eigentlich hätte pausieren müssen, er sich aber voll in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Das rechne ich ihm hoch an, auch wenn es sich leider nicht in Scorern niedergeschlagen hat. Das hätte von Vereinsseite früher kommuniziert werden müssen und nicht erst, als er in den sozialen Medien schon längst am Pranger gestanden hat. Er kann sicherlich viel mehr, wird es aber wahrscheinlich nicht mehr hier zeigen.
Mein Fazit: In der sommerlichen Transferperiode lasen sich alle Neuzugänge schlüssig und passten auch positionstechnisch ins Team. Das alle(!) Neuzugänge mehr oder weniger floppten, nicht zündeten, nicht einschlugen wie erwartet (sucht euch das passende aus), das konnte man in meinen Augen in der Form nicht erwarten. Einen hat man immer mal dabei, der aus verschiedenen Gründen sein Potenzial nicht abrufen kann. Aber alle gemeinsam, wobei zwei ihr Herzblut für den Verein geben und einer ein wichtiger Rotationsspieler bei einem Aufsteiger war, das war so nicht abzusehen. Von daher tue ich mich schwer hier den Verantwortlichen alleine den schwarzen Peter zuzuschieben. Es wurde nach Ende der Transferperiode und auf der JHV dass man finanziell alles raus gehauen hat was ging, mehr war im Sommer nicht drin. Von daher sind die Schreie nach "man hätte im Sommer noch mehr Spieler holen müssen" auch deplatziert. Was man zusätzlich nicht vergessen darf: Auch wenn wir große Teile der OL-Mannschaft gehalten haben, ist die Mannschaft natürlich teurer geworden. Ein König als Topscorer hat bei seiner Verlängerung sicherlich deutlich höhere Bezüge erhalten , auch alle anderen Leistungsträger hatten sicherlich entsprechende Gehaltsanpassungen im Vertrag als Klausel drin. Es ist sicherlich nicht so, dass die Mannschaft das gleiche gekostet hat wie in der Oberliga.

Thema Wintertransfers bzw. Entlassung von Cinar:
Das wir uns in der Winterpause verstärken mussten, war klar. Bei der JHV war von drei oder vier punktuellen Neuzugängen die Rede. Am Ende wurden es zehn Neue, wenn man die Jugendspieler Kallweit und Herber nicht mitzählt immerhin noch acht. Einigermaßen erstaunt war ich von der ersten Folge SVE Inside mit Stefan Fleck, wo dieser frei sagte, dass die Fülle an Neuzugängen in erster Linie für das Pokalspiel in Koblenz war, um da eine schlagkräftige Mannschaft aufbieten zu können, die Chance auf den Pokal war dieses Jahr auch so groß wie lange nicht mehr. In meinen Augen ging man da ein ziemliches Risiko ein, die Wintertransfers mehr oder weniger auf ein Spiel auszurichten. Das Ende ist bekannt, das Spiel wurde verloren, und somit war auch der riesige Kader in dieser Form sinnlos. Masse statt Klasse wurde geholt, einzig Cvetkovic wusste wirklich zu überzeugen, auch Herber hat sich in die Mannschaft gespielt. Spieler wie Heeger, Osawe, Lo Scrudato maximal "nice to have", aber keine die die Kohlen aus dem Feuer holen in dieser Liga. Zehir und Bouziane ein wenig Flops mit Ansage, solche Spieler, die vor hundert Jahren mal höherklassig gespielt haben und jetzt weg vom Fenster sind funktionieren in Trier (warum auch immer) einfach nicht, Tayfun Pektürk und Konsorten lassen grüßen. Wie sich das auf die Teamchemie auswirkte kann ich nicht seriös beurteilen, förderlich war es sicherlich nicht. Genau wie die Ausbootung von Kaluanga, wo der Verein ein äußerst schwaches Bild abgab und sich nebenbei selbst eine riesige Baustelle auftat. Weiß weg, Kaluanga weg, keiner der Neuen gelernter RV, schon hatte man in einem 33-Mann Kader keinen gelernten RV mehr. Robin hat das zwar damals in Aachen gespielt, das ist aber schon ein paar Jahre her, und wie wir diese Saison gelernt haben entwickelt sich die Regionalliga in Windeseile weiter. In einem Interview ließ Robin durchklingen dass er lieber in der Zentrale spielen würde, aber er natürlich dort spielt wo ihn der Trainer aufstellt. Das ehrt ihn natürlich, vielleicht wäre es aber besser gewesen wenn er klar gesagt hätte dass er sich nicht als RV sieht.

Nach der Pleite im Pokal und einem 2:6 gegen Steinbach musste Aufstiegstrainer Cinar gehen. Die Entscheidung contra Cinar sportlich sicherlich nachzuvollziehen, die Idee eines neuen Impuls nicht falsch. Der Zeitpunkt war aber der ungünstigste, den man finden konnte. Nach einer langen Wintervorbereitung inklusive Trainingslager in der Türkei, zehn Neuzugängen, gerade mal zwei Spiele zu warten und nach einer Niederlage gegen einen Gegner, wo selbst die kühnsten Optimisten keine Punkte erwartet haben. Entweder man hätte Cinar noch vor der Winterpause entlassen müssen, damit ein neuer Trainer die Truppe nach seinen Vorstellungen formen und entwickeln kann, inklusive Neuzugänge, oder man vertraut Cinar und zieht es mit ihm durch. Aber so wirkte es wie ein Schnellschuss, man hat was gemacht damit man was gemacht hat und sagen kann, man hätte alles versucht. Die Mannschaft schien, was man so mitbekam, weiterhin hinter Cinar zu stehen und mit ihm weiter machen zu wollen.
Als neuer Trainer kam dann Andreas Zimmermann, mit der klaren Mission Klassenerhalt. Unter den Voraussetzungen natürlich eine Art Himmelfahrtskommando, zu dem Zeitpunkt aber noch im Rahmen des Möglichen. Auch wenn die Auftritte, zumindest in Heimspielen, einen Tick besser wurden, eine wirkliche Wende hat er nicht herbeiführen können. Ein Sieg aus zehn Spielen, sechs von dreißig möglichen Punkten. Gute Heimauftritte gegen Fulda und Frankfurt, desaströse Auswärtsspiele in Worms und Freiberg. Natürlich ist es unfair ihm jetzt die alleinige Schuld zuzuschieben, er hat die Kaderstruktur nicht zu verantworten. Aber Fußball ist nun mal ein Ergebnissport (5€ ins Phrasenschwein). Er hat Vertrag bis 2024, auch wenn es meines Wissen nie glasklar kommuniziert wurde gehe ich von aus dass der Vertrag für beide Ligen gültig ist. In der Regionalliga kennt er sich aus, in der Oberliga hingegen nicht, im Südwesten schon zweimal nicht. Das die Oberliga ein gänzlich anderes Pflaster ist, mit gänzlich anderen Anforderungen, das haben wir fünf Jahre lang gesehen. Aus ähnlichen Gründen hat der Trainer von RW Koblenz den Weg frei gemacht, da er für die Oberliga nicht über das entsprechende Netzwerk verfüge. Es wird spannend wie hier die Entscheidung fällt (bzw. ob wir uns überhaupt eine Entlassung von Zimmermann leisten könnten), ob man mit ihm oder ohne ihn weiter macht sollte aber alsbald klar kommuniziert werden. Hier im Forum und auch in den sozialen Netzwerken scheiden sich die Geister über ihn und seine Art, ich persönlich bin auch kein allzu großer Freund von ihm, halte ihn aber für einen Fachmann mit dem man durchaus Erfolg haben könnte.

Zum Abschluss:
Die Fakten sprechen eine klare Sprache, wir steigen völlig verdient und auch ein wenig sang- und klanglos ab. "Gefühlt" waren die Leistungen besser als es das Punktekonto aussagt, davon kann man sich aber leider nichts kaufen. Am Ende bleibt das Gefühl von "was wäre, wenn". Was wäre, wenn wir zu Saisonbeginn die Spiele durch individuelle Fehler gegen Ulm und Mainz nicht verloren hätten und da was mitgenommen hätten. Was wäre, wenn wir gegen Kassel nicht 4x Alu getroffen hätte und in der Nachspielzeit per Eigentor verlieren (übrigens der einzige(!!) Auswärtssieg von Kassel diese Saison, traurig aber wahr). Was wäre wenn Freiberg nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich schafft. Und, mein persönlicher Knackpunkt der Mentalität der Mannschaft: Was wäre wenn Fulda nicht mit der letzten Aktion noch den Ausgleich geschafft hätte. Die Gesichter nach dem Spiel sagten alles, das hatte schon was von Aufgabe. Die Demütigung eine Woche später in Worms war die Bestätigung, hätten wir gegen Fulda gewonnen wäre das Spiel anders gelaufen, da würde ich meine Dauerkarte verwetten. Aber die Realität macht eben nie Platz für Fantasie, es ist wie es ist, der Abstieg besiegelt, und das zurecht.
Aber: Aufgeben gilt nicht. Wir kommen wieder! Die Mannschaft bleibt zu großen Teilen zusammen, die Trierer Jungen haben weiterhin die volle Unterstützung der Fans. Und haben jetzt was gut zu machen, das muss nächste Saison von der erste Sekunde an zu spüren sein, das man mit dem Messer zwischen den Zähnen spielt. Dann ist mir nächste Saison nicht bange, obwohl es mit Sicherheit eintracht-like holprig, bekloppt und teilweise wahnsinnig zugehen wird. Und wir sind alle Mann / Frau / Kind dabei!

Mir sinn daobei, ganz egal wat passiert!
Grosses Lob wie immer sehr fundierter Beitrag
Ganz große Klasse 👍👍👍
Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen
Ganz große Analyse
Trifft den Nagel aber sowas von!
BlauSchwarzWeißer
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Registriert: 24. Nov 2017, 18:33

Re: Rückblick Saison 22/23 - Ausblick Saison 23/24

Beitrag von BlauSchwarzWeißer »

SunnyBastard hat geschrieben:
7. Mai 2023, 14:40
Wie immer sachliche und fundierte Beschreibung, volle Zustimmung. Ich freue mich tatsächlich auf die nächste Saison. Dann gibt es wieder mehr Erfolgserlebnisse und mit einigen Verstärkungen und gesammelter Erfahrung sollten wir oben mitspielen.

Eine Frage: Inwiefern sollte ein Trainer wie Zimmermann, der für die Regionalliga geeignet ist, nicht in die niedrigere Oberliga passen? Was für ein Netzwerk braucht er da?
Ich beziehe mich da auf das Statement des Koblenzer Trainer, der nach der Saison gehen wird:
"Adrian hat uns deutlich gemacht, dass er nicht über das Netzwerk verfügt, das man für die Zusammenstellung eines neuen Kaders in der Oberliga benötigt. Das spricht absolut für seine Loyalität“

Alipour und Zimmermann von der Vita nicht unähnlich, beide in der vierten Liga etabliert, eher im Westen als im Südwesten. Aber beiden ist die Oberliga völlig unbekannt. Alipour traut sich das offenbar nicht zu. Der Unterschied bei beiden Vereinen, dass bei uns das Grundgerüst steht, Koblenz hingegen hat für nächste Saison erst drei Spieler unter Vertrag, da muss also eine ganz neue Mannschaft aufgebaut werden. Von daher wird die Sache mit dem Netzwerk bei uns nicht so eine große Aufgabe wie sie in Koblenz sein wird.
Ich erweitere Netzwerk aber mal um den Aspekt "Wissen, was es in der Oberliga braucht, um erfolgreich zu sein". Nicht umsonst haben wir fünf Jahre gebraucht, wobei zwei Corona-Saisons vielleicht nicht gänzlich zählen. Und erst in den letzten zwei Saison haben wir es gerade auswärts einigermaßen auf die Kette bekommen was zu holen. Die Heimspiele waren nie das Problem, nicht umsonst waren wir fast zwei Jahre unbesiegt. Aber auswärts sah das teilweise ganz anders aus, wer erinnert sich nicht mit Grausen an Packungen in Mechtersheim, Pfeddersheim und Jägersburg. Um in der Liga erfolgreich zu sein muss man eben wissen, dass in Karbach der Wind eine entscheidende Rolle spielt. Das in Pfeddersheim ein Krater im Rasen ist sodass man gefühlt nen halben Meter unter der Grasnarbe steht. Wie man die Stahlbetonbauer in der Dudenhofener Abwehr knackt. Das die meisten Vereine auf Kunstrasen spielen. Das sind alles Erfahrungswerte, und wir haben Jahre gebraucht bis wir das einigermaßen verstanden haben wie wir da bestehen können.
Die Erfahrungswerte hat Zimmermann nicht, und auch (wahrscheinlich) nicht das Netzwerk um an solche Informationen zu gelangen.
Traue ich ihm zu, dass ihm das gelingt? Natürlich, klare Sache. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es eben alles andere als einfach ist, wenn praktisch jeder Verein gegen uns das Spiel des Jahres ausruft.
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